Entscheidungshilfe

Im Zusammenhang mit den Privatpilotenlizenzen unterscheiden wir vor allem Segelflugzeuge, Motorsegler und Privatflugzeuge. Letztere werden im Fliegerjargon auch als Ein-Mots, Sportflugzeuge, oder nach ihrer Klasse "Echo-Flieger" bezeichnet.

  Segelflugzeug Motorsegler Privatflugzeuge Ultraleichte (UL)
Vorteile Fliegen in seiner urtümlichsten Art,
sehr preisgünstig
Sehr sicher,
einigermaßen erschwinglich
Schnelles Fliegen von Ort zu Ort;
drei Passagiere
Schnellste Ausbildung
UL preiswert anzuschaffen
Nachteile Sehr zeitintensiv,
extrem wetterabhängig
Geringere Leistungsdaten;
nur ein Passagier; kaum Gepäck
Sehr teuer; nicht umweltfreundlich
(30 L Benzin pro Stunde)
Nur ein Passagier,
Zuladung äußerst gering

Und hier noch einmal ausführlich die Vor- und Nachteile einzelner Flugzeugtypen:

 

Segelfliegen (Glider)

Segelflugzeug Die unmittelbarste Art zu fliegen (wenn man nicht Drachen- oder Gleitschirmflieger ist). Von den Segelflugpiloten als das Flugerlebnis schlechthin betrachtet. Auch für kleine Einkommen und daher vor allem für Schüler und Studenten geeignet. Regelmäßig nur im Verein möglich. Deshalb sehr zeitintensiv. Segelfliegen ist Mannschaftssport. Das heißt: Einer sitzt im Flugzeug und drei bis vier sind am Boden beschäftigt (Windenfahrer, Flugleiter, Starthelfer usw. usw.). Manchmal muß man den ganzen Tag nur helfen und kommt selbst nicht zum Fliegen. Sehr eindringlich wird dies beschrieben auf der Homepage der Fluggemeinschaft Leibertingen e.V.

Segelflug belastet die Umwelt wenig. Ein Windenstart benötigt ein bis zwei Liter Benzin, ein Flugzeugschlepp - zehn Minuten sind meistens genug - fünf bis zehn Liter. Geübte Piloten bleiben dann aber auch einige Stunden in der Luft.

Gebrauchte Segelflieger gibt es schon ab 5.000 Euro. Neue Spitzenflieger kosten bis zu 100.000 Euro. Aber auch wenn man ein Segelflugzeug sein Eigen nennt, kann man nicht nur fliegen, sondern muß auch Bodenarbeit leisten.

Stundenpreis 4 - 8 Euro, ein Pilot, max. ein Passagier (die meisten Segelflugzeuge sind aber einsitzig) Ausbildungskosten: 1.000 bis 2.000 Euro. Einzelheiten siehe Kostentabelle.

Wer schnell zu einem Segelflugschein kommen will und ein bißchen mehr Geld zur Verfügung hat, mag eine der großen Vereins-Segelflugschulen besuchen. Ein sicherlich herausragendes Beispiel ist die Segelflugschule Oerlinghausen, die ich durchaus empfehlen kann. Warum ich das mit der kleinen Einschränkung "durchaus" versehe, können Sie hier nachlesen:

Wir machen einen Kurs in Oerlinghausen ...

 

Reisemotorsegler

Motorsegler (Touring Motor Glider) werden von Privatflugzeugpiloten abschätzig als Mofas der Lüfte bezeichnet. Sie gelten aber als ziemlich gelungene Kombination von Segelflugzeugen und Privatflugzeugen. Man kann mit ihnen auf Strecke gehen (dazu werden sie auch meistens genutzt) oder aber das Triebwerk abstellen und sich von einem Aufwind hochziehen lassen. Motorsegler Falke Sf 25 C in Karlovy Vary (Karlsbad), Tschechien Man kann sie also durchaus auch als Segelflugzeuge benutzen, und zwar ohne daß man auf eine ganze Mannschaft von Helfern angewiesen ist. Bei allem sind Motorsegler im Betrieb sehr preiswert, sie schlucken bspw. vergleichsweise wenig Benzin (10 - 18 L pro Stunde) und können damit als noch umweltfreundlich betrachtet werden. Sie sind also sozusagen eierlegende Wollmilchsäue. Aber darin liegen auch ihre Nachteile. Sie segeln nicht so gut wie ein Segelflugzeug (Gleitzahl etwa 1:25 statt mind. 1:40) und sie fliegen nicht so schnell wie ein Privatflugzeug (130 bis 180 km/h Reisegeschwindigkeit statt 180 bis 300 km/h). Und die Zuladung ist ziemlich beschränkt. Die beiden Personen (Pilot und ein Gast) sollten zusammen nicht über 180 kg wiegen und höchstens 20 kg Gepäck ist in der Regel alles, was man mitnehmen darf. Dafür sind Motorsegler besonders sicher. Fällt tatsächlich einmal der Motor aus (kommt allerdings bei allen Flugzeugen fast nie vor), dann hat man je nach Höhe sehr, sehr viel Zeit, nach einem Landefeld zu suchen. Ich kann nicht verhehlen, daß ich absoluter Motorsegler-Fan bin.

Stundenpreis 30 - 80 Euro, ein Pilot, max. ein Passagier, max. Abfluggewicht je nach Typ ca. 650 bis 750 kg. Ausbildungskosten 3.000 bis 5.000 Euro. Einzelheiten siehe Kostentabelle.

Im Bild sehen Sie den Motorsegler D-KDCE, ein Falke Sf 25 C, auf dem Flughafen in Karlovy Vary (Karlsbad), Tschechien. Der Falke ist der meistverkaufte Motorsegler überhaupt und wird wegen seiner gutmütigen Flugeigenschaften vor allem als Schulungsflugzeug hochgeschätzt. Die legendäre Herstellerfirma Scheibe (Dachau) ist leider vor einigen Jahren in Konkurs gegangen. Der Falke ist aber so beliebt, daß sich ein Nachfolger gefunden hat, nämlich die Firma Sammet in Heubach (Bayern). Und dort stellt man schon wieder (auf Bestellung) 6 Falken pro Jahr her.

 

Privatflugzeuge

Cockpit einer Cessna 172 Privatflugzeuge sind meistens einmotorige Flugzeuge mit Kolbentriebwerk (Single engine piston) und können als Bindeglied zwischen Hobbyfliegerei und gewerbsmäßigem Fliegen gesehen werden. Während man bei den oben genannten Luftfahrzeugen und ebenso bei den unten noch beschriebenen UL immer nur höchstens einen Gast mitnehmen kann, kann man mit dem Privatflugzeug drei Passagiere zum Mitflug einladen. Privatflugzeuge sind schnell, geräumig, komfortabel und sehr teuer. Privatflugzeuge haben viel mit Kommerz zu tun. Deswegen gibt es auch viele kommerzielle Flugschulen. Bei den anderen Flugzeugtypen dürften die Vereine im Vordergrund stehen. Mit Privatflugzeugen kann man - so man denn das Geld und die entsprechenden Lizenzen hat - auch mal schnell mit seiner Frau und seinen beiden Kindern nach Paris oder London fliegen und das ist ja nun wirklich nicht schlecht, oder?!

Stundenpreis 150 - 300 Euro (je nach Typ und Verleiher), ein Pilot, max. drei Passagiere, max Abfluggewicht (je nach Lizenz) 750 kg oder 2000 kg. Ausbildungskosten 8.000 bis 11.000 Euro. Einzelheiten siehe Kostentabelle.

Im Bild sehen Sie das Cockpit einer Cessna 172, eines der der am häufigsten vorkommenden Privatflugzeuge.

 

Ultraleicht-Flugzeuge (UL)

UL werden als Luftsportgeräte angesehen. Sie unterscheiden sich daher grundlegend, in vielerlei Hinsicht auch rechtlich von den oben genannten Flugzeugtypen. So sind sie beispielsweise nicht in die Luftfahrtrolle beim Luftfahrtbundesamt, sondern im Luftsportgeräteverzeichnis eingetragen. Kunstflug (§ 8 LuftVO), Wolkenflüge (§ 14 LuftVO) und Sichtflüge bei Nacht (§ 33 LuftVO) bspw. sind mit UL von vornherein verboten. Man erhält auch keine PPL, sondern eine SPL (Sportpilotenlizenz). Die Ausbildungsvoraussetzungen sind etwas geringer als bei Privatflugzeugen (z.Bsp. 30 statt 35 Stunden Praxisausbildung). Bestimmte Lufträume dürfen mit UL (unabhängig von der Lizenz des Piloten) nicht beflogen werden.

Ich kann nicht verhehlen, daß ich ULs nicht sonderlich schätze. Wer die Gründe nachlesen will, klicke bitte hier: ULs sind unsicher ....

UL sind in Anschaffung und Betrieb erheblich preisgünstiger als Privatflugzeuge. Daher ist der Stundenpreis vergleichbar niedrig, so daß auch die Ausbildungskosten erheblich günstiger sind als bei Privatflugzeugen.

Stundenpreis 50 - 100 Euro, ein Pilot, max. ein Passagier, max. Abfluggewicht 472,5 kg. Ausbildungskosten 3.000 bis 4.000 Euro

Leicht-Flugzeuge

Ultraleichtflugzeuge bilden die unterste Kategorie von Leichtflugzeugen, die sich nach Einführung der - in Europa neuen, in den USA seit Jahren bekannten - LSA-Klasse im Jahr 2012 in drei Kategorien einteilen lassen:

Klasse Abk. MTOW1) (in kg) Kennzeichen erforderl. Lizenz
Ultraleicht UL 472,5 M SPL2) nach § 42 LuftPersV
Light Sport Aircraft LSA 600 E PPL3) nach § 1 LuftPersV
Very Light Aircraft VLS 750 E PPL nach § 1 LuftPersV

1) MTOW = maximum take-off weight (maximales Startgewicht)
2) SPL = Sportpilotenlizenz
3) PPL = Privatpilotenlizenz

Kommerzielle Flugschule oder Verein

Kommerzielle Flugschulen verfügen in der Regel über stringente Ausbildungspläne und eine ordentliche Ausbildungseinrichtung. Während die meisten Vereine nur am Wochenende Flug- und Ausbildungsbetrieb eröffnen, stehen Ihnen kommerzielle Schulen auch wochentags zur Verfügung. Sie erwarten in der Regel auch nicht, daß man nach dem Fliegen das Flugzeug putzt oder sonst irgendwie Hand anlegt. Aber sie sind dafür natürlich viel teurer. Zum einen kostet die einzelne Flugstunde erheblich mehr als im Verein, zum anderen muß man immer auch noch den Lehrer zusätzlich zahlen. Auch die Theorieausbildung kostet natürlich extra, und nicht zu knapp. Im Verein sind die Kosten erheblich reduziert, weil mit ehrenamtlichen Lehrkräften geschult wird, so da^ss man für die Flugstunde in aller Regel den gleichen Preis zahlt wie ein Lizenzinhaber. Dafür sehen die allermeisten Vereine 50 oder 60 Arbeitsstunden im Jahr vor, die man für den Verein erbringen oder in Geld ausgleichen muß (Baustunden, Kantinendienst etc.).
 
  Verein Kommerzielle Schule
Kosten (++) Erschwinglich (Einzelheiten) (- -) Teuer (Einzelheiten)
Qualität siehe unten 1) siehe unten 1)
Zeitaufwand (-) (+)
   Arbeitsstunden 40 bis 60 pro Jahr Keine
   Vereinsleben Mitgliederversammlungen, Veranstaltungen etc. Keines
   Serviceleistungen Tanken, Putzen etc. müssen selbst erledigt werden Werden i.d.R. von der Schule erledigt
Dauer der Ausbildung (-) zeitaufwendig (Vollausbildung in der Regel > 18 Monate) (+) Überschaubar (Vollausbildung in der Regel < 1 Jahr)
Schulungsbetrieb (-) regelmäßig nur am Wochenende (+) meistens täglich möglich
Ansprechpartner (++) nahezu jederzeit. Nicht nur Lehrer, sondern auch andere Vereinsmitglieder stehen in der Regel gerne zur Verfügung (+) Lehrer sind in der Regel jederzeit ansprechbar.
Gleichgesinnte (++) durch Vereinsleben gesichert. Gemeinsame Flüge (Kostenteilung) sind an der Tagesordnung (-) wird eher individualistisch betrieben.

1) Kein Unterschied. Hängt entscheidend davon ab, welchen Flugschule oder welchen Verein man aussucht. Hier wie dort kann es übellaunige und ungeduldige Fluglehrer geben. Hier wie dort gibt es aber auch sehr engagierte Lehrer.

 

Resümee

Wer viel Geld aber wenig Zeit hat, sollte sich in einer kommerziellen Flugschule zum Privatflugzeugführer ausbilden lassen. Wem umgekehrt viel Zeit und wenig Geld zur Verfügung steht, sollte im Verein das Segelfliegen erlernen. Fluginteressierte, die nur ein eingeschränktes Zeit- und Geldkonto haben, sollten Motorsegelfliegen im Verein erlernen. Flug zum Regenbogen

Womit auch immer man beginnt: Der Wechsel auf eine andere Flugzeuggattung ist deutlich einfacher, wenn man schon irgendeine Lizenz hat. Wer also Privatflugzeuge fliegen, aber mit möglichst geringen Kosten zur Lizenz kommen will, sollte zunächst mit der Ausbildung zum Motorsegler beginnen und eine entsprechende Lizenz erwerben, um anschließend auf Privatflugzeuge umzuschulen. Eine vernünftige Fliegerkarriere könnte auch beim Segelflug beginnen (Schüler / Student) und über den Motorsegler (Berufsanfänger) zum Privatflugzeug (im Beruf erfolgreich) führen.

Wie beim Führerschein gilt auch hier folgender Satz. Gleichgültig mit welchem Flugzeugtyp Sie anfangen: Je jünger desto besser (desto weniger Stunden werden Sie in der Regel benötigen)!

 

 

 

 

 

 

Ende des Textes (ehilfe.html - 04.07.12)